Kunst an der Grenze im Werra-Meißner-Kreis

 

Abbildung   |   Karte

Prof. Dr. Joachim Reitner, Cornelia Hundertmark, Göttingen
»Breaking Walls«

 

„Mauern haben zwei Gesichter – Schutz und Grenzen. Als Grenzen sind sie nicht leicht zu überwinden, nur wenn der Druck zu groß wird, brechen sie - so geschehen am 9.11.1989. Getrenntes muss sich wiederfinden – ein Tisch bietet eine Chance – alles braucht seine Zeit.
Gewidmet den Menschen, die den Mut aufbrachten die Grenzen zu überwinden, und denen, die es heute noch tun“ (Prof. Dr. Joachim Reitner).

Unterschiedliche Gesteine in Form von geschnittenen und teilweise polierten Platten symbolisieren die brechenden Mauern. Es handelt sich um sehr harte und resistente Tiefengesteine (Granit, Diorit, Migmatit) unterschiedlicher Provenienz. Dies gilt auch für die zentral gruppiertenTischelemente. Flankiert wird die Komposition von Sedimentgesteinen (Kalk- und Sandstein), die jeweils aus den beiden Teilen Deutschlands kommen. Die Eingangsstelen aus Granit und Diorit bilden einen Durchlass mit Blick auf die Tisch- und die zentrale Komposition, ebenfalls zwei Stelen, die aus einem Stück geschnitten und gespiegelt sind. Tisch-Komposition, Seitenplatten und die zentralen Stelen bestehen aus Migmatit-Gestein, ein Gestein sehr großer Tiefen mit deutlichen Fließstrukturen, das während einer Aufschmelzungsphase wieder „eingefroren“ wurde. Die ungleichen Ränder und Bohrlöcher zeigen die Kraft der Öffnung und den Beginn der „Breaking Walls“.“ Die zentrale Tisch-Komposition soll auch an die „4+2-Gespräche“ 1990 erinnern, bei denen die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit den beiden deutschen Staatsregierungen über die Zukunft eines geeinten Deutschlands berieten.

Das geologische Thema der Komposition ist zudem der Dualismus von Entstehungsprozessen:

Hauptanteil sind Migmatite aus Halmstadt in Schweden. Es handelt sich um Gesteine im Gabbro-Granit Dualismus. Als Migmatit wurde ursprünglich ein Gestein bezeichnet, welches im Aufschlussmaßstab aus zwei oder mehr petrographisch unterscheidbaren Teilen besteht. Heute versteht man darunter ein partiell aufgeschmolzenes Gestein, der helle magmatische Teil stellt die ehemalige, wieder erstarrte Gesteinsschmelze dar. Ein meist dunklerer Teil weist somit Merkmale eines metamorphen (infolge einer Erhöhung des Umgebungsdruckes bzw. der Umgebungstemperatur verhältnismäßig tief in der Erdkruste entstandenen bzw. umgewandelten), der andere, meist helle Teil Merkmale eines magmatischen Gesteins auf. Gabbro ist ein kompaktes, grobkörniges magmatisches Gestein plutonischen Ursprungs, also ein Gestein, das tief im Erdinneren entstanden ist. Indem Granit auf den dunklen, mafischen (Sammelbegriff für Minerale, die in hohem Maße magnesium- und eisenhaltig sind) Magmen „schwimmt“, vollzieht sich die Trennung von Gabbro und Granit.

Weitere Dualismen, die die Entstehung dieser Tiefengesteine Granit und Gabbro - Gesteine der oberen Erdkruste, beinhaltet:
Granit - helle, felsische Gesteine, wichtige Tiefengesteine der oberen Erdkruste, rötlich bis grau je nach Art der Feldspäte (die wichtigsten gesteinsbildenden Minerale der Erdkruste), sehr stabil; hier auch roter präkambrischer Granit aus Schweden - vulkanisches Äquivalent ist Rhyolith (sehr zähes Magma - Rhyolith ist eine Wortschöpfung aus den griechischen Wörtern ῤεῖν, rheîn, „fließen“ und λίθος, líthos, „Stein) Teilweise zeigt Rhyolith-Gestein gut erkennbare Fließtexturen. Ein Rhyolith besteht überwiegend aus Quarz (nach den Feldspaten das zweithäufigste Mineral der Erdkruste; reiner Quarz=Bergkristall)) und Feldspat. Vulkanische Glase, welche die gleiche chemische Zusammensetzung haben wie Rhyolith, werden als Obsidiane bezeichnet.
Gabbro - dunkle, mafische Gesteine, wichtiges Gestein der Erdkruste – vulkanisches Äquivalent ist Basalt (sehr flüssig)

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ hatte Willy Brandt, der populäre Alt-Kanzler der 70er Jahre, den Mauerfall vom 9. November 1989 kommentiert.
Zum Auflösungsprozess: Granit wird Sandstein in einem dynamischen Auflösungs-Prozess, der sich durch nichts aufhalten lässt. Gelöste Stoffe aus dem Granit sind Nährstoffe für Organismen und können die Entstehung von Kalk (Muschelkalk) begünstigen. Kalk ist ein Produkt von Lebensaktivität.

Sandstein–Kalk-Dualismus:
Sandsteine sind dynamische Gesteine, Verwitterungsprodukte der Tiefengesteine, vor allem von Granit der Erdoberfläche (Friedewalder Sandstein der unteren Trias – Buntsandstein, Wasa-Quarzit aus Schweden, präkambrisch) - Kreuzberger Muschelkalk (Kreuzberg, Rhön) bildete sich authigen, vor Ort, durch Lebensprozesse. Muschelkalk entstand durch die Vorgänge von Ablagerung und Verfestigung von Muscheln, Skeletten oder sonstigen kalkhaltigen Ausscheidungen von Lebewesen, die vor Jahrmillionen in Salz- und Süßwasserbereichen lebten. Als Ablagerungszeitraum des Muschelkalks gilt die gleichnamige Gruppe der germanischen Trias, also vor 243 bis 235 Mio. Jahren.

Gemeinsam mit den Künstlern, dem Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, den Bürgermeistern und Repräsentanten von Bad Sooden-Allendorf und den angrenzenden Kommunen, Mitgliedern des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V., Vertretern des Arbeitskreises Grenzinformation e.V., den künstlerischen Leitern der ARS NATURA-Stiftung, den Sponsoren und Bürgern diesseits und jenseits der hessisch-thüringischen Grenze enthüllte Lothar Quanz, Vizepräsident im Hessischen Landtag a.D. und Initiator von "Kunst an der Grenze", am 09.11.2014, dieses Kunstwerk. Am 9. November 1989 war die Berliner Mauer gefallen, ein Jahr später Deutschland wieder vereinigt.


Der Ort
Das Grenzmuseum Schifflersgrund, oberhalb von Bad Sooden-Allendorf erinnert an die Teilung Deutschlands in die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland und dokumentiert insbesondere das Leben in den grenznahen Regionen hinter dem „Eisernen Vorhang“.

 

 

Übersicht   |   <   |   >   |   Alle Strecken
Nach oben   |   Drucken
© Copyright Ars Natura Stiftung