Kunst an der Grenze im Werra-Meißner-Kreis

 

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Renate Ruck, Oldenburg
»Ein Ende ist auch immer ein Anfang«

 

Der Titel dieser raum- und lichtdurchlässigen Plastik ist sowohl auf die Urform der Kugel als auch auf die jüngere deutsche Geschichte bezogen.
Mit ganz unterschiedlichen Eisenfundstücken entstand die Kugel auf der Grundlage des Prinzips der Bricolage. Die ursprüngliche Bedeutung wird dabei meist aufgehoben - hier von handwerklich oder industriell produziertem Metallschrott, der, zur durchlässigen Kugel künstlerisch geformt, eine universelle Symbolik und an diesem Ort eine spezielle Konnotation erhält. Die Bricolage ist die eher spontane Reorganisation von unmittelbar zur Verfügung stehenden Materialien, Zeichen und Ereignissen zu neuen Strukturen. Die Künstlerin bezeichnet ihre Plastiken als „Metallballaden“, passend zu diesem Standort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Wir sollten von diesen Gegebenheiten und Ereignissen den zukünftigen Generationen noch viel erzählen.

Gemeinsam mit der Künstlerin, der Bürgermeisterin der Stadt Witzenhausen, Repräsentanten aus Werleshausen und Bornhagen, Mitgliedern des Vereins für Regionalentwicklung im Werra-Meißner-Kreis, Nachfahren der Adelsfamilie der Hansteiner, den künstlerischen Leitern der ARS NATURA-Stiftung, Sponsoren und vielen Bürgern diesseits und jenseits der hessisch-thüringischen Grenze enthüllte Lothar Quanz, Vizepräsident im Hessischen Landtag und Initiator von "Kunst an der Grenze", am Montag, den 17.06. 2013, dieses Kunstwerk.
Das traumatische Ende des Aufstandes am 17. Juni 1953 in der DDR führte zu nicht mehr endendem untergründigem Widerstand. Der Frühsommer 1953 wurde zum Vorläufer des Herbstes 1989. Das Ende der DDR war der Anfang des neuen geeinten Deutschlands.

Der Ort
Das Werk steht direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, dort, wo diese mit Kontrollpfad und Todesstreifen die Straße zwischen Witzenhausen-Werleshausen und Bornhagen-Rimbach überquerte. Werleshausen ist ein ehemaliges Eichsfelder Dorf, das im “Wanfrieder Abkommen” Hessen bzw. der amerikanischen Zone zugeschlagen wurde. Nach der Festlegung der Grenzen der Besatzungszonen verlief eine Nachschublinie der US-Besatzungsmacht auf der Bahnstrecke Bebra–Göttingen zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eichenberg auf einer Länge von vier Kilometern durch die sowjetische Besatzungszone. Mehrfache Blockierungen der wichtigen Verbindung zwischen der amerikanischen Besatzungszone in Kurhessen und den Versorgungshäfen Bremen u. Bremerhaven durch russische Streitkräfte am Haltepunkt Werleshausen führten schließlich am 17. September 1945 zur Vereinbarung einer Grenzkorrektur durch die Besatzungsmächte. Mit dem Vertrag, der im Kalkhof außerhalb von Wanfried unterzeichnet wurde, fielen fünf hessische Dörfer mit insgesamt 429 Einwohnern an die russische, zwei Eichsfelder Ortschaften mit 560 Einwohnern an die amerikanische Besatzungszone. Familien, Verwandten- und Freundeskreise wurden getrennt, kulturelle Wurzeln gekappt. Die oberhalb dieses Standortes liegende Burg Hanstein war bis 1989 sowohl für die hessischen Werleshäuser als auch für die Eichsfelder
Bornhagener unerreichbar. Durch die direkte Lage an der innerdeutschen Grenze wurde die Burg als Beobachtungsposten der DDR-Grenztruppen genutzt.

 

 

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