Kunst an der Grenze im Werra-Meißner-Kreis

 

Abbildung   |   Karte

Norbert Jäger, Hamburg
»Gespalten - Stand gehalten«

 

Norbert Jägers Werk gibt dem Betrachter die Möglichkeit sich in das Kunstwerk zu integrieren und dessen Kräfte nachzuempfinden. Auf dem schmalen Durchgang zwischen den gespaltenen Steinen kann man die Enge und gewaltige Masse von 3,5 Tonnen spüren, die das Gefühl auslösen können, erdrückt zu werden. Die beiden konkaven menschlichen Figuren im in zwei Teile gespaltenen Granit-Findling, die eine stehend,die andere auf den Kopf gestellt, sind mumienartig in sich geschlossene Formen, die der Enge entsprechend statisch und unbeweglich wirken. Diese Figuration findet ihre Widerspiegelung auch in der tendenziellen Gleichförmigkeit der Findlingshälften. Dem gegenüber sind Gestalt und Oberfläche des intakten Findlings vielfältiger und bewegter, aber auch rauer. In Entsprechung dazu ist die künstlerische Vorgehensweise und Gestaltung ebenfalls uneinheitlicher. Die kniende Figur wurde nur in ihren Konturen herausgearbeitet, schwungvoll zeichnerische Flüchtigkeit symbolisierend. Die konvexen Wölbungen der großen aufrechten Gestalt sind poliert glänzend und glatt im Kontrast zu den linear bossierten Silhouetten der Figuren des gespaltenen Steins und der naturbelassenen Innenfläche der knienden. Verschiedenste Assoziationen zum geteilten und vereinten Deutschland sind möglich. Der Titel bezieht sich also sowohl auf das Kunstwerk als auch auf die Geschichte der deutschen Teilung.

Gemeinsam mit dem Künstler, der Bürgermeisterin von Neu-Eichenberg sowie Repräsentanten und Bürgermeistern der angrenzenden Kommunen, Mitgliedern des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner e.V., den künstlerischen Leitern der ARS NATURA-Stiftung, den Sponsoren und Bürgern diesseits und jenseits der hessisch-thüringischen Grenze enthüllte Lothar Quanz, Vizepräsident im Hessischen Landtag a.D. und Initiator von "Kunst an der Grenze", am 01. August 2014 dieses Kunstwerk. 100 Jahre zuvor, am 01. August 1914, hatte das Deutsche Reich Russland den Krieg erklärt, am 03. August dann Frankreich und damit den Ersten Weltkrieg ausgelöst. Die deutsche Niederlage nahmen die Nationalsozialisten 1939 zum Anlass die Welt zum zweiten Mal in Brand zu setzen. Die Nazi-Barbarei endete nicht nur mit zig Millionen von Toten und dem Holocaust, sondern auch mit der Teilung Deutschlands. Mit der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR und mit der Zustimmung der früheren Sieger- und Besatzungsmächte wurde die Teilung 1989 überwunden.

Der Ort
Eichenberg liegt im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen, Thüringen. Die Geschichte des Bahnhofs ist ein Spiegelbild der wechselvollen deutschen Geschichte. Bis zum zweiten Weltkrieg war der Eisenbahn-Knotenpunkt Eichenberg verkehrstechnisch von herausragender Bedeutung. Während des Krieges wurde er zur Drehscheibe des Flüchtlings- und Kriegsgefangenendramas. Letztmals befuhr planmäßig ein Personenzug am 24.07.1945 das Streckenstück Eichenberg-Arenshausen, danach verlor der Bahnhof Eichenberg durch die Teilung Deutschlands erheblich an Bedeutung. Am 26. Mai 1990 wurde nach 45 Jahren die „Halle-Kasseler Eisenbahn“ zwischen Eichenberg (Hessen) und Arenshausen (Thüringen) mit einem Sonderzug wieder in Betrieb genommen.

 

 

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